Die Informationen auf einem Leadsheet
Letzte Woche habe ich dir gezeigt, was ein Leadsheet ist und welche Noten nicht als solches durchgehen. Heute möchte ich näher auf die Informationen auf einem Leadsheet eingehen.
Ein Leadsheet beschränkt sich auf die folgenden Elemente eines Songs:
- Titel
- Künstler
- Melodie
- Text
- Akkorde
- Arrangement
Die grundlegenden Informationen auf einem Leadsheet
Die Basics sind schnell erklärt.
Zuerst einmal musst jeder wissen, um welchen Song es sich handelt. Titel und Künstler sind Pflichtangaben. Denn in den letzten 35 Jahren sind allein 3 Songs mit dem Titel „Hello“ erschienen und 4 mit „Hero“ oder „Heroes“.
Zur Melodie gehören selbstverständlich die Tonart und die Taktart. Die Begleitmusiker brauchen Akkorde und Sänger einen Text. Diese Angaben gehören immer auf ein Leadsheet! Auch wenn du deinem Pianisten nicht vorschreiben möchtest, wie er das Lied umsetzen soll – du ihm also kein Arrangement aufzwingst.
Die Basics findest du auf dieser einfachen Version, das aussieht wie ein gekauftes Leadsheet. Die Informationen zum individuellen Arrangement fehlen bei gekauften Leadsheets immer, denn ein Notenverlag dient der breiten Masse und beschränkt sich auf die universellen Elemente.
Die individuellen Informationen auf einem Leadsheet
Jeder Musiker interpretiert einen Song anders. Folglich entwickelt jeder eine andere Vorstellung davon und andere Ideen, wie er seine Ideen musikalisch umsetzen will. Diese individuellen Arrangements spiegeln sich auch in den Leadsheets wieder.
Zum Arrangement gehören die folgenden Angaben:
- Genre, Stil und Feeling
- Tempo
- Formteile
- Stichnoten
- Dynamik
Genre, Stil und Feeling
Über der ersten Notenzeile stehen links die Angaben zu Genre, Stil und/oder Feeling / Ausdruck. Das Genre ist klar: Pop, Rock, Soul, Funk, Gospel, Alternative Rock, Folk etc. Der Stil gibt eher eine Form und ein grobes Tempo vor: Ballade, Powerballad, Uptempo-Nummer.
Das Feeling beschreibt das generelle Gefühl im Song: laut, marschierend, swingend, blues-y, funk-y, hymnisch, schlicht, ternär, binär, ganz straight. Im Grunde sind hier alle Begriffe erlaubt, die das Gefühl beschreiben, das du im Songs hervorrufen möchtest.
Einige Beispiele:
- „Country Ballade Lagerfeuer“ = eine Ballade (Stil) aus dem Country (Genre) wie am Lagerfeuer gesungen (Feeling).
- „Rock Uptempo laut“ = eine schnellerer Song (Stil) aus dem Rock (Genre), der vor allem laut (Feeling) gespielt werden soll.
- „Folk Ballad schlicht“ = eine Ballade (Stil) aus dem Folk (Genre), die schlicht (Feeling) gespielt werden soll.
- „Disney Uptempo swingend“ = eine Uptempo-Nummer (Stil) aus einem Animationsfilm (für mich ist das ein eigenes Genre), die swingend (Feeling) gespielt werden soll.
- „Pop Ballade straight“ = eine Ballade (Stil) aus dem Pop (Genre), die straight und schnörkellos (Feeling) gespielt werden soll.
Du siehst, es sind sehr genaue Angaben.
Tempo
Deine Band muss wissen, wie schnell du den Song singen willst. Genre, Stil und Feeling geben eine grobe Richtung vor. Die kannst du mit einer Metronomangabe verfeinern. Diese Info steht ebenfalls links oben auf der ersten Seite.
Im Titelfoto kannst du das bei „Life of the Party“ gut sehen. Da steht:
moderately Viertelnote ist gleich 112-116
Die Notensetzer haben das Tempo also gleich doppelt benannt. Einmal allgemein als „moderat“ und danach noch einmal genau mit 112-116 Schlägen pro Minute.
Formteile
Kennzeichne die einzelnen Abschnitte des Lieds deutlich. Das sind:
- Intro
- Strophe
- Pre-Chorus
- Chorus oder Refrain
- Post-Chorus – ein Einhorn unter den Formteilen, aber ich hab bereits ein paar gesichtet
- Bridge
- Interlude oder Zwischenspiel oder Instrumental oder Solo
- Coda
- Outro
Nicht jeder Song hat alle Formteile und nicht mal die Reihenfolge ist in jedem Song gleich. Man kann sich sicher auch streiten, ob es z.B. wirklich ein Pre-Chorus oder doch schon der Beginn des Refrains ist.
Wie du es nennst, ist letztlich egal. Beschäftige dich einfach mit dem Aufbau deines Songs und kennzeichne die Abschnitte. Verwende die Begriffe, die sich für dich richtig anfühlen. Und wenn ein Sprachmix dabei herauskommt: So what!
Stichnoten
Der Bassist soll eine bestimmte Melodie spielen? Oder dein Backgroundsänger eine Zweitstimme singen? Schreib sie hinein.
Auf dem Titelfoto siehst du das bei den beiden rechten Sheets. Bei ihnen wurde über der Melodiezeile eine Rhythmuszeile für die Gitarre eingebaut.
Stichnoten geben deinen Mitmusikern wertvolle Hinweise, wie du dir die Begleitung vorstellst. Sie sind etwas kleiner und dünner als reguläre Noten.
Dynamik
Schließlich kannst du noch Dynamik im Leadsheet vermerken. Zum Beispiel, wenn du an einer Stelle ein Crescendo hören möchtest, oder in einem Formteil alle leise spielen sollen.
Fazit
Mit wenigen musikalischen Basics und ein paar weiteren Angaben zum Arrangement sind die Informationen auf einem Leadsheet leicht zu überblicken.
Nimm dir einfach mal ein Leadsheet vor und versuche, alle Elemente, die ich dir genannt habe, zu finden. Du wirst sehen: Nach wenigen Versuchen blickst du durch.

Jessica Pawlitzki, 2019

Jeremy Perkins, on Unsplash
MD Duran, Unsplash
Bryan Minear, Unsplash
Dominic Lowyears, Unsplash
Jessica Pawlitzki, 2025
Raj Rana, Unsplash
Jessica Pawlitzki, 2024
Jessica Pawlitzki, 2017
Jason Rosewell, Unsplash