Nothing Else Matters – 5 herausragende Cover unter der Lupe

Nach dem ausführlichen Artikel „In 4 Schritten zum gelungenen Cover“ möchte ich dir heute, wie einzigartig Cover-Versionen sein können. Die Fallstudie zeigt, dass du das Original dabei nicht gänzlich vergessen musst.

 

Das Original

Als Ausgangsmaterial habe ich den Klassiker „Nothing Else Matters“ von Metallica ausgewählt. Der Song steht im 6/8 Takt und läuft auf ruhigen 47 bpm (punktierte Viertel).

Die Melodie liegt in den Strophen im sprechnahen Bereich, während der Refrain höher und kräftiger klingt. Auch die Dynamik passt in diesen Stil: In den Strophen eher erzählend und leise, klingt James Hetfields Stimme im Refrain emotionaler und lauter.

Im Arrangement hält sich der Song an das, was jeder Rock- und Metal-Fan an Metallica schätzt: Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang. In den Strophen ruhiger, im Refrain treibend, und garniert mit ordentlich Gitarrenriffs.

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Cover Nr. 1: „Nothing Else Matters“ von Steve’n’Seagulls

Steve’n’Seagulls sind die wohl witzigste Neu-Entdeckung der letzten Jahre. Sie covern viele Rock- und Metal-Songs und verquicken sie mit ihrem ganz eigenen Country-/Bluegrass-Stil.

Darin liegt schon der erste Unterschied: Die Instrumente sind anders. Mandoline, Banjo, Akkordeon, Kontrabass und ein paar Einzelteile eines Drum Kits. Obendrauf Solo- und mehrstimmiger Gesang.

Melodie, Harmonik und Aufbau wurden vom Original übernommen. Lediglich die Riffs und Instrumentalparts musste die Band an die Möglichkeiten ihrer Instrumente anpassen.

 

Etwas sticht in dieser Coverversion aber hervor: der Vibe ist ganz anders. Steve’n’Seagulls machen aus einem 6/8-Takt einfach mal einen 3/4-Takt und spielen Nachschläge auf die Offbeats. Dadurch entsteht einerseits ein binäres Feeling, andererseits ein klein bisschen auch ein Walzer.

Der gesamte Rhythmus wechselt im Refrain dann in den vertrauten 6/8-Takt zurück. Dadurch entsteht ein toller Wechsel zwischen Zweier- und Dreier-Rhythmen.

Ein netter Touch: Das Akkordeon spielt eigene Oberstimmen, so dass der Song einen fast schon sehnsüchtig-russischen Anklang bekommt.

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Cover Nr. 2: „Nothing Else Matters“ von Postmodern Jukebox

Postmodern Jukebox sind für ihre jazzigen, swingenden Coverversionen berühmt. Sie machen vor nichts halt. Das Resultat sind immer hervorragende Neuinterpretationen bekannter Songs mit faszinierenden Sängern, Tap Tänzern und Solo-Instrumentalisten.

 

In diesem Cover greift PMJ auf den Big Band-Sound zurück – Klavier, Kontrabass, Saxofon, Posaune, Drums, Gesang – und auf die typische Hauptbegleitung durch das Klavier. Das Tempo ist mit 53bpm nur wenig schneller als das Original.

An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten auf. Der Vibe ist deutlich swingender und die Version wartet mit sehr starken Lautstärkeunterschieden auf. Die Strophen sind leise und wirken fast spartanisch. In den Refrains explodiert die Dynamik, auch durch die einsetzenden Bläser.

Am direktesten fällt jedoch der Gesang auf. Die Sängerin bildet trotz ihres jungen Alters eine enorme Bandbreite an Emotionen und solider Jazz-Gesangstechnik ab. Auch typisch Jazz und deshalb so untypisch für einen Rocksong: Der Scat-Einschub vor dem letzten Refrain. Hut ab!

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Cover Nr. 3: „Nothing Else Matters“ von TheClavinover

Marti Fischer, auch bekannt als TheClavinover, sagt über sich selbst „Ich bin professionell irre.“ Schaut man sich einige seiner Youtube-Videos an, kommt er schon so rüber. Aber: Der Mann hat richtig Ahnung.

In der Serie „Wie geht eigentlich Musik?“ nimmt er bekannte Musikstile auseinander und erklärt, was sie einzigartig macht. Seine Videos sind eine Mischung aus Musiktheorie, Stilistik, Musikgeschichte und Irrsinn. Gleichzeitig sind sie unterhaltsam und lehrreich.

Hier hat er einen Song mal nicht in typischer „Wie geht eigentlich Musik?“-Manier nachgebaut, sondern das Original in eine Polka gesteckt – was genau er wie macht, erklärt Marti im Video.

 

Das Cover wirkt durch die selbst gewählte Stilistik der Polka überhaupt nicht melancholisch. Das liegt unter anderem am 2/4-Takt, am wesentlich schnelleren Tempo von 184bpm und den beschwingten Harmonien in den Offbeats.

Die veränderte Melodie und der angepasste Rhythmus sind lediglich die Konsequenz seiner Genrewahl.

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Cover Nr. 4: „Nothing Else Matters“ von Apocalyptica

Zu diesen Musikern muss ich nicht viel sagen. Apocalpytica sind Weltstars. Umso interessanter, wie bescheiden ihr Start vor 20 Jahren war – mit dem Album „Apocalyptica Plays Metallica By 4 Cellos“. Ein Album voller Coversongs.

 

Dieses Cover besticht allein durch die vier Celli. Die Musiker spielen teils akustisch, teils auch verzerrt, wie du es von E-Gitarren kennst. In allen anderen Bausteinen lehnt sich „Nothing Else Matters“ von Apocalyptica sehr stark an das Original an.

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Cover Nr. 5: „Nothing Else Matters“ von Lucie Silvas

Über die britische Singer/Songwriterin Lucie Silvas bin ich eher zufällig gestolpert. Sie ist hier auch nur vertreten, weil ihr Cover für den Ein oder Anderen neu sein könnte.

 

Im ersten Moment wirkt ihre Coverversion von „Nothing Else Matters“ ganz anders als das Original. Da fallen auf: eine Sängerin, ein Klavier, ein ganzes Orchester.

Die Melodie wurde nicht verändert.  Lucie Silvas klingt lediglich deutlich poppiger als James Hetfield. Was hingegen ins Ohr springt, ist die fehlende Leadgitarre. Alle Riffs wurden für Orchester bearbeitet und teils stark verändert. Das berühmte Pling-Pling-Pling-Pling-Pling-Pling der Rhythmusgitarre übernimmt hier das Klavier.

 

Aber … du wusstest, dass ein Aber kommt, richtig? Diese Coverversion ist nur für Otto-Normal-Hörer neu und ungewöhnlich.

Metallica-Fans kennen das gesamte Arrangement von den 1999er Symphony And Metallica-Konzerten, als Metallica ihre eigenen Songs mithilfe des San Francisco Symphony Orchestra coverten.

Insofern ist dieses wohlklingende Cover doch nur eine 1:1-Nachahmung.

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Fazit

Was kannst du nun aus diesen Covern lernen? Zunächst einmal war die Cover-Woche als Inspiration gedacht. Einfach mal was ganz anderes auf die Ohren kriegen.

 

Um deine eigenen Coverversionen individueller gestalten zu können, nehmen wir die Cover nochmal unter die Lupe:

Es fällt auf, dass es in jeder Version ein Element gab, das stark verändert wurde, während die restlichen Bausteine des Songs nahezu unverändert übernommen wurden.

Im ersten Cover von Steve’n’Seagulls war es die Taktart und damit der Rhythmus. Das tat auch das dritte Cover von TheClavinover, wobei das in diesem Fall dem Genre zu schulden ist. Die Bausteine Melodie, Rhythmus und Tempo, die Marti Fischer ebenso veränderte, sind lediglich eine Konsequenz seiner gewählten Stilistik.

Im zweiten Cover von Postmodern Jukebox und im fünften Cover von Lucie Silvas wurden andere Instrumente ausgewählt, was das Arrangement zwangsläufig verändert. Hinzu kamen in beiden Versionen der un-rockige Stimmsound der Sängerinnen, mal jazzig, mal poppig.

Das vierte Cover von Apocalyptica verwendet zwar ebenfalls andere Instrumente als das Original. Hier wurde der generelle Aufbau des Songs jedoch so stark beibehalten, dass ich nur von einer Anpassung sprechen möchte, nicht von einem Neu-Arrangement.

 

Wie du siehst, haben alle vorgestellten Cover die Melodie mehr oder minder in Ruhe gelassen – denn Melodien sind die Ohrwürmer. Mal ein, zwei Töne anders im Refrain, der zum dritten Mal erklingt, ist ok. Das zeigt das 2. Cover von PostmodernJukebox. Die Melodie gleich zu Beginn des Songs zu verändern, ist keine gute Idee, denn der Wiedererkennungswert geht sonst verloren.

Die Harmonie, Akkordfolgen und Riffs entstammen weitestgehend dem Original. Riffs sind ähnlich elementare Erkennungsmerkmale eines Songs wie Gesangsmelodien und bei Rocksongs häufig sogar bekannter als die Melodie oder der Text jenseits des Refrains.

Was viel verändert wurde, waren das Arrangement und der Rhythmus. In der Regel sind das die Bausteine eines Songs, die am einfachsten an die realen Situationen und Fähigkeiten einer Band angepasst werden können.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren und Umsetzen!

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